Nach dem Aufstehen ...
... erstmal aus dem Fenster geschaut. Windstill. Die Bahn fährt ja neuerdings nicht mehr, wenn es windig ist - da muss man vorsichtig sein. Aber an dem ostwestfälischen Provinzbahnhof war heute wieder alles wie immer. Der Zug war sogar pünktlich im Rahmen der Toleranzen. Denn - so habe ich neulich im Radio gehört - weniger als zehn Minuten Verspätung gelten bei der Bahn noch als pünktlich. Das finde ich toll. Wenn man der Bahn etwas zugute halten kann, dann, dass sie eine Kultur der Unpünktlichkeit in der Gesellschaft etabliert hat. Dafür bin ich dankbar, weil das mein Ansehen als Deutscher in der Welt verbessert. Wir Deutschen waren ja bisher in der Welt eher unbeliebt - nicht nur weil wir gelegentlich in Nachbarländer einmarschieren und früher ständig die Fußballweltmeisterschaft gewonnen haben, sondern weil wir immer so verdammt pünktlich und ordentlich waren. Okay, das mit dem Einmarschieren haben wir in den letzten Jahren gelassen (toi toi toi!), und das mit dem Nichtgewinnen der WM haben wir im letzten Jahr auch knapp geschafft. Aber nach allem, was man hört, wäre es der Welt lieber, wenn wir ein bisschen schmuddeliger und unpünktlicher würden. Wer öfter in Regionalbahnen fährt, weiß, dass die Bahn in diesen Punkten Pionierarbeit leistet. Wir begrüßen die Gäste unserer Hauptstadt in einem der beeindruckendsten Bahnhöfen unserer Zeit. Nicht umsonst wurden die geplanten 250 Mio Euro Baukosten um ein vierfaches überschritten. Und wenn wir nochmal eine viertel Milliarde reinbuttern, werden vielleicht sogar die Träger festgeschraubt.
pikas - 22. Jan. 2007 - abgelegt in: bahnfahren







