Hüllenlos
Kürzlich wurde ich Zeuge einer weiteren erschütternden Dokusoap von RTL2, die ich noch nicht kannte. Bei "Hüllenlos - auch nackt gut aussehen" werden unscheinbare Frauen mit einfachsten Mitteln ("ohne Schönheits-OP und Nulldiät") in Schlampen Lebefrauen verwandelt - immer eine pro Folge.
Das funktioniert so: Bastian, ein Düsseldorfer Diplom-Klamottenverkäufer versucht mittels Love-Bombing, neurolinguistischer Programmierung, feisten Lügen und schmierigen Tricks das Selbstbwußtsein des Opfers zu stärken. Nach der Aufwärmrunde führt er sie in einen vollverspiegelten Raum und lässt sie sich bis auf die Unterwäsche ausziehen. Dass sie das widerspruchslos mit sich geschehen lässt, wird uns von der Stimme aus dem Off als "großer Vertrauensbeweis" verkauft. Kein Gedanke, dass die Umstände und die laufende Kamera da einen gewissen Druck ausüben könnten...
Sie muss dann ihre Schwachstellen benennen, was ihr auch recht gut gelingt: Beine, Taille, Hüften, Hupen, Oberarme, Gesicht. Dann werden ein paar Damen hereingeführt, deren Proportionen ebenfalls nicht dem gängigen Schönheitsideal entsprechen, die aber angeblich mit ihrem Körper zufrieden sind. Wer hier stutzt, stutzt zu recht: Frauen, die mit ihrem Körper zufrieden sind - haha! Das gibt's doch gar nicht! Die Damen sind auch in Unterwäsche gekleidet und stellen sich aufsteigend nach Deformationsgrad in einer Reihe auf. Unser Schlumpfinchen soll sich nun irgendwie dazwischen einordnen. Bastian meint sinngemäß, dass es ja gar nicht sooo schlimm wäre, und verschiebt sie zwei Plätze weiter in die schlanke Richtung. Jaja, die Selbsteinschätzung spielt uns manchmal böse Streiche, kicherkicher - Lektion gelernt.
Was unser häßliches Entlein nicht weiß: Von ihrer dieser Session wurde heimlich ein Foto gemacht. Dieses Foto wird nachts an eine Hauswand projiziert und Bastian fragt vorübergehende Passanten, was sie von diesem Körper (der Kopf war gnädigerweise abgeschnitten) halten. Die wenigen Aussagen, die gesendet werden, sind auch recht wohlwollend ("weibliche Formen", "schöne Brüste", "schlanke Arme"), wirken aber auf den voreingenommenen Betrachter leicht mitleidgesteuert. Falls es negative Äußerungen gegeben hat, werden uns diese vorenthalten. Die Protagonistin wird mit den Reaktionen konfrontiert und - oh Wunder - der anfängliche Schock weicht der Erkenntnis, dass sie in Wirklichkeit ja wohl doch recht hübsch ist. Na ja, jedenfalls nicht so häßlich, wie sie gedacht hatte.
Es folgt Phase zwo: Shopping, Friseurbesuch, Termin beim Visagisten. Nun ja. Es dürfte sich mittlerweile herumgesprochen haben, dass man die Stimmung einer handelsüblichen Frau mit einer Kombination dieser drei Events deutlich heben kann. Basti ist in seinem Element, und stellt ihr ein paar schöne Outfits zusammen. Der Friseur macht die Haare so, dass man nicht mehr so viel vom Gesicht sieht und der Visagist erledigt das Feintuning der offen liegenden Stellen. Das Ergebnis unterscheidet sich zwangsläufig von dem ursprünglichen Bild. Muss ja auch, war ja schließlich teuer genug.
Aschenputtel hyperventiliert und verkneift sich mühevoll Tränen des Glücks, weil diese das Make-Up ruinieren würden. Nun setzt Bastian zum Fangschuß an. Während einer harmlos beginnenden Fotosession ("um das Ergebnis festzuhalten") fordert er die Übereuphorisierte auf, die Hüllen zwecks Anfertigung einer Serie ästhetischer Ganzkörperfotografien fallen zu lassen. Nach anfänglicher Panik - es fällt natürlich der klassische, verhängnisvolle Satz "Du musst nur das machen, wo du selber Lust zu hast") zieht sie tatsächlich blank.
Um ihren Willen gänzlich zu brechen, führt Bastian den aufgehenden Stern am Erotik-Himmel zu dem Platz an dem die Passanten bereits ihr Unterwäsche-Foto begutachten mussten. Jetzt wird eine Bild des Fotoshootings auf die Hauswand projiziert und das ehemalige Mauerblümchen soll ihre Mitmenschen nun selbst nach ihrer Meinung fragen. Diese ist wieder verhalten wohlwollend ("hübsch", "gute Figur", "nett").
Herrschaften, ich will nicht meinen Stab über die bedauernswerten Mädchen brechen, die sich häßlich finden, und daruter leiden. Ich weiß nur nicht, ob Methoden, mit denen Zuhälter vor dem Fall des eisernen Vorhangs ihr Personal rekrutiert haben, geeignet sind, um diesen armen Geschöpfen zu helfen. Äußerliche Schönheit wird meines Erachtens überbewertet. Frauen sollten sich nicht so einem Druck ausgesetzt fühlen. Es gibt nun mal Schöne und Häßliche. Häßlich zu sein, hat auch seine Vorteile - ich spreche da aus eigener Erfahrung. Man wird seltener nach seinem Aussehen beurteilt und oberflächliche Menschen halten sich eher von einem fern.
Das funktioniert so: Bastian, ein Düsseldorfer Diplom-Klamottenverkäufer versucht mittels Love-Bombing, neurolinguistischer Programmierung, feisten Lügen und schmierigen Tricks das Selbstbwußtsein des Opfers zu stärken. Nach der Aufwärmrunde führt er sie in einen vollverspiegelten Raum und lässt sie sich bis auf die Unterwäsche ausziehen. Dass sie das widerspruchslos mit sich geschehen lässt, wird uns von der Stimme aus dem Off als "großer Vertrauensbeweis" verkauft. Kein Gedanke, dass die Umstände und die laufende Kamera da einen gewissen Druck ausüben könnten...
Sie muss dann ihre Schwachstellen benennen, was ihr auch recht gut gelingt: Beine, Taille, Hüften, Hupen, Oberarme, Gesicht. Dann werden ein paar Damen hereingeführt, deren Proportionen ebenfalls nicht dem gängigen Schönheitsideal entsprechen, die aber angeblich mit ihrem Körper zufrieden sind. Wer hier stutzt, stutzt zu recht: Frauen, die mit ihrem Körper zufrieden sind - haha! Das gibt's doch gar nicht! Die Damen sind auch in Unterwäsche gekleidet und stellen sich aufsteigend nach Deformationsgrad in einer Reihe auf. Unser Schlumpfinchen soll sich nun irgendwie dazwischen einordnen. Bastian meint sinngemäß, dass es ja gar nicht sooo schlimm wäre, und verschiebt sie zwei Plätze weiter in die schlanke Richtung. Jaja, die Selbsteinschätzung spielt uns manchmal böse Streiche, kicherkicher - Lektion gelernt.
Was unser häßliches Entlein nicht weiß: Von ihrer dieser Session wurde heimlich ein Foto gemacht. Dieses Foto wird nachts an eine Hauswand projiziert und Bastian fragt vorübergehende Passanten, was sie von diesem Körper (der Kopf war gnädigerweise abgeschnitten) halten. Die wenigen Aussagen, die gesendet werden, sind auch recht wohlwollend ("weibliche Formen", "schöne Brüste", "schlanke Arme"), wirken aber auf den voreingenommenen Betrachter leicht mitleidgesteuert. Falls es negative Äußerungen gegeben hat, werden uns diese vorenthalten. Die Protagonistin wird mit den Reaktionen konfrontiert und - oh Wunder - der anfängliche Schock weicht der Erkenntnis, dass sie in Wirklichkeit ja wohl doch recht hübsch ist. Na ja, jedenfalls nicht so häßlich, wie sie gedacht hatte.
Es folgt Phase zwo: Shopping, Friseurbesuch, Termin beim Visagisten. Nun ja. Es dürfte sich mittlerweile herumgesprochen haben, dass man die Stimmung einer handelsüblichen Frau mit einer Kombination dieser drei Events deutlich heben kann. Basti ist in seinem Element, und stellt ihr ein paar schöne Outfits zusammen. Der Friseur macht die Haare so, dass man nicht mehr so viel vom Gesicht sieht und der Visagist erledigt das Feintuning der offen liegenden Stellen. Das Ergebnis unterscheidet sich zwangsläufig von dem ursprünglichen Bild. Muss ja auch, war ja schließlich teuer genug.
Aschenputtel hyperventiliert und verkneift sich mühevoll Tränen des Glücks, weil diese das Make-Up ruinieren würden. Nun setzt Bastian zum Fangschuß an. Während einer harmlos beginnenden Fotosession ("um das Ergebnis festzuhalten") fordert er die Übereuphorisierte auf, die Hüllen zwecks Anfertigung einer Serie ästhetischer Ganzkörperfotografien fallen zu lassen. Nach anfänglicher Panik - es fällt natürlich der klassische, verhängnisvolle Satz "Du musst nur das machen, wo du selber Lust zu hast") zieht sie tatsächlich blank.
Um ihren Willen gänzlich zu brechen, führt Bastian den aufgehenden Stern am Erotik-Himmel zu dem Platz an dem die Passanten bereits ihr Unterwäsche-Foto begutachten mussten. Jetzt wird eine Bild des Fotoshootings auf die Hauswand projiziert und das ehemalige Mauerblümchen soll ihre Mitmenschen nun selbst nach ihrer Meinung fragen. Diese ist wieder verhalten wohlwollend ("hübsch", "gute Figur", "nett").
Herrschaften, ich will nicht meinen Stab über die bedauernswerten Mädchen brechen, die sich häßlich finden, und daruter leiden. Ich weiß nur nicht, ob Methoden, mit denen Zuhälter vor dem Fall des eisernen Vorhangs ihr Personal rekrutiert haben, geeignet sind, um diesen armen Geschöpfen zu helfen. Äußerliche Schönheit wird meines Erachtens überbewertet. Frauen sollten sich nicht so einem Druck ausgesetzt fühlen. Es gibt nun mal Schöne und Häßliche. Häßlich zu sein, hat auch seine Vorteile - ich spreche da aus eigener Erfahrung. Man wird seltener nach seinem Aussehen beurteilt und oberflächliche Menschen halten sich eher von einem fern.
pikas - 14. Feb. 2007 - abgelegt in: feuilleton








Außerdem hatte ich mir in Anbetracht des Titels von der Veranstaltung mehr versprochen.