Lokführerstreik



Neuer Volkssport: An Streiktagen zum Bahnhof latschen und den Legionen von Kamerateams Meckereien über die doofen Lokführer ins Mikrofon quatschen.

Leute, Streiks sind wie Naturkatastrophen. Die nimmt man hin! Und die werden vorher angekündigt! Wer nicht bereit ist, sich für Vierzehnhundert netto ohne bezahlte Überstunden 10 bis 12 Sunden am Tag ins Führerhaus einer Lokomotive zu stellen, soll mal bitteschön den Schnabel halten!
dus - 18. Okt. 2007, 10:57

trotzdem darf ("darf"!) es nerven, wenn man betroffen ist als fahrgast. ich bin heute wieder betroffen. und mittlerweile schon genervt, auch wenn ich die streiks verstehen kann. aber mich kostet das nicht nur zeit und flexibilität sondern auch geld. und ich verdiene nicht mehr als so ein lokführer.
pikas - 18. Okt. 2007, 11:20

Nerven darf einen immer alles.

Das mit der Flexibilität verstehe ich nicht. Der Vorteil der Bahn liegt doch gerade darin, dass sie nicht flexibel, sondern (im Idealfall) starr und dadurch berechenbar ist.
jazzer - 18. Okt. 2007, 12:06

Auch wenn ich den Betonkopf Schell nicht mag, stehe ich voll und ganz hinter dem Anliegen der Lokführer. Was wirklich nervt ist die zunehmend eindimensionale Berichterstattung über das Thema.

Interessant ist, dass die Bahn derzeit mit riesigen Anzeigen nach neuen Lokführern sucht und dabei mit "überdurchschnittlicher Bezahlung" wirbt. Das muss für die Streikenden doch wie ein Hohn wirken. Ich würde Frau Sukale ja gerne mal verpflichten, Dienst im Führerhaus zu schieben. Am besten in so einer alten "Taiga-Trommel" von der Reichsbahn.
nessy - 18. Okt. 2007, 12:10

Leider gibt es Menschen, die nicht auf das Auto ausweichen können. Weil sie kein Auto haben. Weil sie sich kein Auto leisten können. Weil sie das Gleiche verdienen wie ein Lokführer und ebenfalls 10 bis 12 Stunden am Tag arbeiten. Diese Leute kommen dann irgendwann um 12 zur Arbeit, nachdem sie Stunden am Bahnhof verbracht haben. Diese Leute dürfen dann Termine verschieben und die Stunden nacharbeiten. Oder sie opfern gleich einen Urlaubstag. Wenn es geht. Es gibt Kollegen, die sich schwarz ärgern und verzweifeln.

Ich gönne den Lokführern mehr Geld. Sie haben nun wirklich nicht viel in der Tasche. Aber ich habe das dumpfe Gefühl, dass mit dem Lohngefälle etwas nicht stimmt. Und dass alles teurer wird, dass immer mehr Ausgaben auf die Menschen zukommen (z.B. private Rente, Gesundheit, hohe Energie-Kosten) ohne dass das Geld mehr wird. Aber das ist ein anderes Thema.
ker0zene - 18. Okt. 2007, 19:12

Ich habe ja nun das Glück, nicht auf die Bahn angewiesen zu sein und auf dem Weg zur Arbeit auch keine Staus zu haben. Von daher mal fein raus ...

Was ich mich frage - jetzt die Forderung nach 31 % mehr. OK, sie werden nicht müde zu betonen, das das natürlich utopisch ist und man - wenn überhaupt - weit darunter abschließen wird. Andererseits wird alles erheblich teurer. Viele Lebensmittel in letzter Zeit (Milchprodukte, Getreideprodukte, derzeit gerade Fleisch), Strom und Benzin, überall erhebliche Steigerungsraten. Jedenfalls mehr, als die 2 oder 3 Prozent "mehr", die normalerweise bei Tarifverhandlungen als Gehaltsplus rauskommen und (bestenfalls) ein Inflationsausgleich dienen.

Das interressante daher für mich: Wie endet dieser Tarifstreit? 10 % mehr? 15 %? Und wer zieht dann nach?
jazzer - 19. Okt. 2007, 8:42

Soweit ich das verstanden habe, geht es von Seiten der GDL schon längst nicht mehr um die 30% (die sich ja auch nur auf das ohnehin bescheidene Einstiegsgahlt bezogen). Solche "Luftforderungen" gehören nunmal zur Verhandlungstaktik. Ansonsten würde man ja gleich über den Tisch gezogen.

Ich denke, dass es in unserem Interesse ist, dass Menschen wie Lokführer, die viel Verantwortung tragen, ordentliche Arbeitsbedingungen (und dazu zählt nunmal auch die Bezahlung) haben. Das gilt natürlich auch für andere Berufsgruppen. Warum sich Menschen in Pflegeberufen wie Krankenschwestern o.ä. dermaßen ausbeuten lassen und nicht organisieren ist mir vor dem Hintergrund ein Rätsel. Sie müssen immer länger arbeiten, immer komplexere Aufgaben bewältigen und werden miserabel bezahlt. Sie sind eben nur leider keine Ärzte, die eine große Lobby hinter sich wissen.

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