Der Kunde

wattenscheidNeulich habe ich ein lustiges Synonym gelesen: Beraterpommes. Wissen Sie, was Beraterpommes sind? Nein? Keiner? Rufen Sie es einfach rein! Niemand?

Okay. Beraterpommes ist ein anderes Wort für Sushi. Aber Sushi kennen Sie doch? Klumpiger Reis mit rohem Fettfisch. Kalt. Teuer. Schmeckt, wie es sich anhört. Soll angeblich gesund sein. Und das essen Berater? Also das muss schon diese Schwarzkittelfraktion von Beratern sein. Die Kremdellakrem mit den fünfstelligen Tagessätzen. Die, die vom Upper Management angeheuert werden, um eine Argumentationsgrundlage für die nächste Entlassungswelle zu schaffen. Die, bei denen Nachhaltigkeit aufhört, wenn beim Vorstand die Sperrfrist für die Aktienoptionen abläuft.

Die Berater, mit denen ich zu tun habe, essen kein Sushi. Die kaufen sich in der Mittagspause bei Kamps hinterm Bahnhof ein Thunfisch-Wrap, weil ihnen der Externen-Tarif in der Kantine zu teuer ist. Die sind nett, fleißig und freundlich, und haben jede Menge Verständnis für mich kleinen Konzernsoldaten. Sie beneiden mich um meine Besitzstände, die Werksrente, den Kündigungsschutz, und alles. Aber sie beneiden mich auf eine freundliche Art, die von aufrichtigem Gönnen geprägt ist. Manchmal klagen sie mir ihre Nöte.

Der Kunde, sagen sie, der Kunde ist eigentlich zwei. Der eine ist ein freundliches, kleines Männlein, der einem mit sanfter Stimme sagt, dass man bitte exakt und sauber und in Ruhe arbeiten soll. Nur keinen Stress und keinen blinden Aktionismus an den Tag legen. Der andere hat den Körperbau und die Physiognomie eines kasachischen Kirmesboxers. In der Hand hält er einen mit rostigen Nägeln gespickten Baseballschläger. Der ist nicht freundlich, sagt nicht bitte und danke, und will alles schnell und billig. Vor allem billig. Und schnell.

Man würde das freundliche, kleine Männlein gerne zufrieden stellen. Aber wenn sein Kollege mit der Keule droht, setzt man die Prioritäten eben entsprechend anders. Das freundliche Männlein schaut dann immer ganz enttäuscht aus dem etwas zu großen Hemd. Wenn man ihm die Gründe nennt, verspricht es, mal mit dem Kirmesboxer zu reden. Aber daraus wird nie etwas.

So klagen mir die Berater. Ich sage dann: „Die berühmte Hannoveraner Punkband Hans-A-Plast hat es Anfang der 80er Jahre einmal so formuliert: Der Kunde will kein grelles Licht, er kann doch nicht bei grellem Licht, denn dann ist meine Haarfarbe grün.“

Da ist 'was dran, meinen dann die Berater. Was sie in Wirklichkeit denken, behalten sie für sich.
timanfaya - 16. Sep. 2008, 14:16

"beraterpommes" kannte ich noch nicht. aber ich esse sie für mein leben gern. leider etwas zu teuer für jeden tag*. und berater - au mann, diese modernen zivilistionszeckennomaden an den rudern der wirtschaftgaleeren haben mir schon vor 10 jahren leid getan. keiner mag sie oder will sie wirklich. und ohne vorstände gäbe sie es auch nicht ...

*was aber nicht grund genug dafür sein kann, so einen wrap müll mit geschätzten 100 Es As und Os zu essen
Miss Liss - 17. Sep. 2008, 11:29

russisch roulette

beraterpommes sind absolut eklig.
leute, das ist ROHER FISCH. hat sich da mal einer gedanken drüber gemacht ob der sushi-koch sich die hände nach dem letzten klogang gewaschen hat und wie lange der kram schon im schaufenster rumgelegen hat?
timanfaya - 17. Sep. 2008, 13:09

hey, man, in sushi ist nicht irgendein fisch. und man sollte das schon in entsprechend geführten läden essen. wer das zeug mag, weiß auch wie die aussehen. und: die haben definitiv kein schaufenster. und ... *ähm* ... kochst du deine wurst* immer, bevor du sie dir aufs brot legst?

wahlweise*: käse, gemüse, etc. ...
pikas - 17. Sep. 2008, 14:25

Sushi ist ja eigentlich eine deutsche Erfindung.
Miss Liss - 18. Sep. 2008, 18:10

aber... es ist roher fisch!!
ich hatte mal eine feine fischvergiftung und ich esse lieber 20 rumsteak roh als noch einmal sowas unschönes zu überleben (mit ausnahme des gewichtsverlusts)
blogistin - 19. Sep. 2008, 9:43

schon mal was von bse gehört?
abgesehen davon ist essen gehen, egal wo, immer vertrauenssache, gleich ob in der pommes-bude um die ecke oder im feinschmecker-lokal. überall, wo menschen (mit lebensmitteln) arbeiten, kann etwas schief gehen oder nicht optimal laufen. das fällt unter "risiken des lebens". wenn sie deswegen auf genuss verzichten, können sie sich gleich nen sarg bestellen.
bellablog (Gast) - 22. Sep. 2008, 15:14

"sprechkäse": auch unschön! aber hans-a-plast: helden meiner jugend. *schnüff*
pikas - 23. Sep. 2008, 9:43

Hatte ich alle Platten von. Wurde aber mit der Begründung "Kein Plattenspieler - keine Platten erforderlich!" genötigt, sie zu verkaufen.

... uns gehört die oase,
der feind lauert in der wüste,
mit spitzen zähnen oder schrägen augen,
aber sieht nicht so aus wie ich,
und jeder den nicht so aussieht wie ich,
den gibt es eigentlich nicht!


Hat mich ein stückweit geprägt.
Budenzauberin - 23. Sep. 2008, 13:12

"Wurde aber (...) genötigt, sie zu verkaufen."

Du lügst ja wie getippt.
pikas - 23. Sep. 2008, 13:54

"Du lügst ja wie getippt."

Mann halt...
bellablog (Gast) - 24. Sep. 2008, 12:05

"geh doch nochmal für mich hier lang,
mit deinem herrlichen django gang..."

die platte mit der brennenden ratte gibts auf cd. 9,99 euro. ich bestelle, das wird mir 25 jahre zurückschenken. für 1 stunde jedenfalls. immerhin!
virtualmono - 25. Sep. 2008, 5:20

Wurde aber mit der Begründung "Kein Plattenspieler - keine Platten erforderlich!" genötigt, sie zu verkaufen.

Ich weiß schon warum mir kein Weib mehr ins Haus kommt *har har*... aber auch mit Hausdrachen hätte ich mich nicht davon abhalten lassen lieber einen gebrauchten (neue die etwas taugen gibt es ja kaum) Plattenspieler zu kaufen denn die Platten zu verkaufen (rein hypothetisch - schließlich habe ich meinen guten alten Thorens ja noch - und gebe ihn auch bestimmt nicht her. Genausowenig wie die Vinylsammlung).

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