Soest

Es gibt Städte, deren Bahnhöfe machen Lust, die Stadt dahinter zu entdecken. Soest gehört definitiv nicht dazu. Der Bahnhof von Soest ist zur Zeit eine Baustelle und bietet - ähnlich wie der Bahnhof von Essen, der ebenfalls ungebaut wird ("Kulturhauptbahnhof 2010") - ein Bild des Grauens. Aber anders als sein Namensvetter in Essen, stellte der Soester Bahnhof bereits vorher ein Mahnmal provinzieller Tristesse dar.
Ich steige gelegentlich in Soest um. Die wenigen Minuten Wartezeit werden für mich jedes Mal zur Prüfung. Leute, die in Soest aus dem Zug steigen, machen den Eindruck, als wären sie zu Sterben hier hin gekommen. Steht man auf dem Bahnsteig, blickt man unweigerlich auf das baufällige Bahnhofsgebäude, dessen blinde Scheiben wie die Augen eines debilen Kindes auf die Wartenden starren. Schaut man in die andere Richtung, sieht man die mit schlechten Grafittis beschmierten Wände der "Kung-Fu-Akademie Lee", eines schmuck- und fensterlosen Hallenbaus.
Möglicherweise werden sich die Renovierungsmaßnahmen positiv auf das Gesamtbild auswirken. Ich habe jedoch wenig Hoffnung. Zu schleppend, zu zaghaft gehen die Arbeiten voran. Es ist, als hätten die Arbeiter angesichts dieser schier unlösbaren Aufgabe allen Mut verloren und alle Hoffnung fahren lassen. Ich bewundere diese braven Männer, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, diesen trostlosen Ort in der westfälischen Provinz zu verschönern. Sie sind Soldaten in einem Krieg, der nicht zu gewinnen ist.
Lippstadt ist aber auch nicht viel besser.
pikas - 12. Mrz. 2009 - abgelegt in: ostwestfalen







