bahnfahren

Koffer

Ich stamme aus einer Zeit, als Koffer noch keine Räder unten dran hatten. Man musste sie - und jetzt halten Sie sich fest: am Griff tragen. Das war speziell für Bahnreisende nicht besonders bequem, aber irgendwie wollte man seine Klotten ja mit an den Zielort nehmen können.

Es gab die heute noch vereinzelt an Bahnhöfen vor sich hin rostenden Gepäckwagen, und Senioren, Frauen und andere schwächliche Personen fanden immer Hilfe.

Heute ist das anders. Koffer werden keinen überflüssigen Meter mehr getragen. Sobald die Leute auf den Zug steigen, bleiben sie stehen, setzen den Koffer auf, ziehen den Griff raus und rollen los: KLACK, TSCHUCKKK, RÖDDELRÖDDELRÖDDELRÖDDELRÖDDEL.... Bis zur Treppe. Griff wieder rein. TSCHUCKKK! Hektisches Umsehen, ob ein Aufzug oder wenigstens ein treppenbegleitendes Gepäckförderband in der Nähe ist. Umständliches "Die-Treppe-herunterwuchten". Sich dabei halb auf die Schnauze legen. Unten wieder KLACK, TSCHUCKKK, RÖDDELRÖDDELRÖDDELRÖDDELRÖDDEL usw.

Ich denke manchmal, dass ein Großteil der Bahnverspätungen auf Leute zurückzuführen ist, die nicht bereit sind, ihre jämmerlichen 5-Kilo-Trolleys bis auf freies Gelände zu tragen.

Gute Laune im Regionalexpress

Die Lautsprecherstimme im Regionalexpress hatte heute einen Clown gefrühstückt:

Die Begrüßungsdurchsage endete mit " ... und nun lächeln Sie mal und genießen Sie Ihre Fahrt in den Tag hinein!"

Kurz vor Soest: "Uhrenvergleich: 7 Uhr 27 und 2 Sekunden. Um 7 Uhr 35 sollten wir Soest erreichen. Sie haben dort Anschluss ...."

Kurz vor Hamm: "In exakt 90 Sekunden erreichen wir Hamm in Westfalen ..."

Hä?

Durchsage im Regionalexpress:

"Da wir aus einer verspäteten Vorleistung in Hamm noch auf Anschlussreisende warten mussten, verzögert sich unsere Abfahrt um wenige Minuten."

Hä? Verspätete Vorleistung? Wer sich als kundenfreundlicher Dienstleister profilieren will, sollte Amtsdeutsch meiden.

"Wir mussten in Hamm noch auf Leute in einen verspäteten ICE warten. Deshalb fahren wir hier auch ein paar Minuten später ab. Wir kümmern uns darum, dass auch Sie ihre Anschlüsse bekommen."

Würde doch viel schöner klingen.

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Was ich ja auch nicht leiden kann, sind diese Typen, die ihre Hände so mit den Handflächen nach hinten rumtragen. Hängende Schultern, leerer Blick, Handflächen nach hinten. Wie der Troll in diesem Harry-Potter-Film. Das muss doch nicht sein! Da kann man doch mal ein bisschen darauf achten, wenn man schon fett und tumb ist.

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Und dann war da noch heute wieder dieser Typ im Bus, der den ganzen Sommer über einen langen, schwarzen Ledermantel getragen hat. Heute - 4 Grad Celsius - im T-Shirt. Nonkonformismus olé.

Auf zu neuen Ufern

schneider2 Einfach mal raus. Alles zurück-, und das Messer in der Sau stecken lassen. Das Ränzelein mit dem Nötigsten (Wäsche zum Wechseln, Vaseline, Antidepressiva) packen. Den Schatz bei der Hand nehmen und hinaus in die Ferne mit Butterbrot und Speck. Das essen wir so gerne, das nimmt uns keiner weg. Das Heimweh lassen wir zu Haus', in Spanien sieht es nicht nach Leben aus. So macht man das in unserer Landmannschaft - und immer ein pfeifendes Lied auf den Lippen. Spann' den Wagen an, denn der Wind treibt Regen über's Land. Und abends am Lagerfeuer erzählen wir Geschichten und essen Stockbrot mit gegrillten Steinen. Und denke nicht an morgen, vergesse deine Sorgen.

Erstmal bequem machen

typ_in_zug

"Erst mal bequem machen. Ich bin ja hier quasi alleine - mal abgesehen von den gefühlten hundert von mir angewiderten Berufspendlern."

Was geht nur in den Köpfen von Leuten vor, die morgens im Regionalexpress erstmal schön einen Viererplatz blockieren, die Schuhe ausziehen, Beine hochlegen und Fetzen von Industriebrötchen aus Rascheltüten zutzeln? Zu welchem Zeitpunkt ist deren Sozialisation ins Stocken geraten? Was ist da in der Kindheit schief gelaufen?

Hier noch mal zur Erinnerung die Verhaltensregeln in Nahverkehrszügen.

Durchsage

Heute morgen im Regionalexpress:

"... wir bitten, die Verzögerung zu entschuldigen und wünschen Ihnen trotz allem einen schönen Tag."

Vorgetragen von einer angenehm warmen, leicht rauchigen Altsopranstimme. 12 Minuten Verspätung. "Trotz allem...". Wegen solcher Momente liebe ich das Zugfahren.

Da verzeihe ich sogar die skandalöse Tatsache, dass der Rhein-Hellweg-Express, der zwischen Düsseldorf und Paderborn pendelt, deutlich spartanischer ausgestattet ist, als der Rhein-Haard-Express, der zwischen Düsseldorf und Münster pendelt. Dieser hat nicht nur Klapptischchen an den Sitzlehnen, sondern auch noch ein Bordbistro, in dem sich der durstige Fahrgast mit überteuerten Getränken versorgen kann. Und das, obwohl die Strecke des Rhein-Hellweg-Express satte 42 Kilometer länger ist.

Lokführerstreik



Neuer Volkssport: An Streiktagen zum Bahnhof latschen und den Legionen von Kamerateams Meckereien über die doofen Lokführer ins Mikrofon quatschen.

Leute, Streiks sind wie Naturkatastrophen. Die nimmt man hin! Und die werden vorher angekündigt! Wer nicht bereit ist, sich für Vierzehnhundert netto ohne bezahlte Überstunden 10 bis 12 Sunden am Tag ins Führerhaus einer Lokomotive zu stellen, soll mal bitteschön den Schnabel halten!

Wie ich mich morgens in Nahverkehrszügen verhalte



Aus gegebenem Anlass habe ich mir zu o.g. Thema Gedanken gemacht, und folgenden Verhaltenskodex erarbeitet, den ich hier zur Diskussion stellen möchte.
  1. Ich setze mich auf einen freien Platz und packe zügig alle Sachen aus, mit denen ich mich während der Fahrt beschäftigen möchte.
  2. Ich lese ein Buch oder eine Zeitschrift.
  3. Ich lese KEINE raschelnden Tageszeitungen.
  4. Ich lese KEINE Lektüre, die großformatige Bilder von Lebedamen mit dicken Hupen enthält.
  5. Falls ich eine Zeitschrift lese, bemühe ich mich, die Seiten möglichst leise umzublättern.
  6. Oder ich höre in moderater Lautstärke Musik über Kopfhörer.
  7. Auf gar keinen Fall spreche ich dösende Einzelreisende an. (Ausnahme: Lebensbedrohliche Situationen. Lebensbedrohlich für den dösenden Einzelreisenden.)
  8. Ich empfange keine SMSen, die sich durch alberne Klingeltöne ankündigen.
  9. Ich führe keine Telefonate.
  10. Ich tippe nicht sinnentleert auf meinem Handy rum, wenn ich die Tastentöne nicht abgeschaltet habe.
  11. Am besten schalte ich mein Handy aus und schiebe es mir in den Arsch.
  12. Falls ich abends vorher knoblauchhaltige Speisen gegessen habe, oder einen beschissenen außergewöhnlichen Parfumgeschmack habe, oder innerhalb von zwei Stunden vor Antritt der Fahrt geraucht habe, halte ich mich während der Fahrt in dem Bereich zwischen zwei Waggons auf.
  13. Ebenso, wenn ich erkältet bin, oder aus anderen Gründen alle drei Minuten die Nase putzen muss.
  14. Ich habe immer ein paar Rachenpastillen dabei, um unnötiges Räuspern oder Husten zu vermeiden.
  15. Wenn ich in Gruppen reise, suche ich einen Platz, der möglichst weit entfernt von dösenden Einzelreisenden ist.
  16. Ich bespreche mit den Mitreisenden meiner Gruppe nur das Nötigste.
  17. Wenn sich Kinder in meiner Begleitung befinden, fordere ich sie auf, weder zu fentern, noch zu ramentern.
  18. Notfalls setze ich sie an der nächsten Station aus.
  19. Wenn ich mit meinem Lebenspartner unterwegs bin, leiste ich während der Fahrt keinerlei Beziehungsarbeit.
  20. Wenn ich an der nächsten Station aussteigen muss, fange ich nicht schon ein viertel Stunde vorher mit Rumrödeln an. Ich stehe frühestens auf, wenn mein Zielbahnhof über Lautsprecher angekündigt wird.

Rudi-Dutschke-Bahnhof

Könnte man nicht zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, indem man den neuen Berliner Hauptbahnhof in "Rudi-Dutschke-Bahnhof" umbenennt?

Nach dem Aufstehen ...

... erstmal aus dem Fenster geschaut. Windstill. Die Bahn fährt ja neuerdings nicht mehr, wenn es windig ist - da muss man vorsichtig sein. Aber an dem ostwestfälischen Provinzbahnhof war heute wieder alles wie immer. Der Zug war sogar pünktlich im Rahmen der Toleranzen. Denn - so habe ich neulich im Radio gehört - weniger als zehn Minuten Verspätung gelten bei der Bahn noch als pünktlich. Das finde ich toll. Wenn man der Bahn etwas zugute halten kann, dann, dass sie eine Kultur der Unpünktlichkeit in der Gesellschaft etabliert hat. Dafür bin ich dankbar, weil das mein Ansehen als Deutscher in der Welt verbessert. Wir Deutschen waren ja bisher in der Welt eher unbeliebt - nicht nur weil wir gelegentlich in Nachbarländer einmarschieren und früher ständig die Fußballweltmeisterschaft gewonnen haben, sondern weil wir immer so verdammt pünktlich und ordentlich waren. Okay, das mit dem Einmarschieren haben wir in den letzten Jahren gelassen (toi toi toi!), und das mit dem Nichtgewinnen der WM haben wir im letzten Jahr auch knapp geschafft. Aber nach allem, was man hört, wäre es der Welt lieber, wenn wir ein bisschen schmuddeliger und unpünktlicher würden. Wer öfter in Regionalbahnen fährt, weiß, dass die Bahn in diesen Punkten Pionierarbeit leistet. Wir begrüßen die Gäste unserer Hauptstadt in einem der beeindruckendsten Bahnhöfen unserer Zeit. Nicht umsonst wurden die geplanten 250 Mio Euro Baukosten um ein vierfaches überschritten. Und wenn wir nochmal eine viertel Milliarde reinbuttern, werden vielleicht sogar die Träger festgeschraubt.

Du

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Kommentare

aaaah, zu alexander o'neal...
aaaah, zu alexander o'neal fällt mir direkt so...
timanfaya - 11. Dez, 12:56
... und was der feine...
... und was der feine Herr Pikas sonst noch so in diesem...
pikas - 11. Dez, 12:27
hätte ich jetzt...
Hey, meint ihr nicht eher, das ne Art Turm, sprich...
Jonas (Gast) - 16. Nov, 09:43
Um mal mit dem alten...
Um mal mit dem alten Fußball-Philosophen Franz...
pikas - 2. Nov, 20:53
das war ja mal verhältnismäßig...
das war ja mal verhältnismäßig einfach....
timanfaya - 2. Nov, 17:32
Klarer Fall: Geheimes...
Klarer Fall: Geheimes Raumfahrtzentrum Bratislava -...
Orinoko_jim (Gast) - 2. Nov, 14:16
Ich will gar nicht an...
Ich will gar nicht an das Geld denken, das in solche...
Kratzbürste - 13. Okt, 14:00

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