Rotkäppsken
Damals inne schlechte Zeit gabet bei uns inne Nachbarschaft sonne kleine Trulla. Die war dermaßen auf Scheibe, dattse se alle gerne hatten. Von ihre Omma hatte se mal ne rote Kappe ausse Michael-Schumacher-Kollekzion vom Aldi gekricht, dat hatte se immer auf, wennse ausem Haus ging. Darum wurde se überall nur Rotkäppsken genannt.
Eines Tages hat ihre Mutter für sie gesacht: "Kuckma, ich hab hier 'n Korb fertich gemacht. Da is 'n Stück Schwartemagen, Piccolos, 'n Marmorkuchen und 'n Päckscken HB drin. Dat kannze mal zu de Omma bringen, die hattet am Kreislauf und kommt nich inne Pötte. Bleib aba aufen Weg und pass auf, datte dich mitti Fressalien nich auffe Backe lechs!"
"Is gebongt!" waren Rotkäppsken ihre Worte und dann hattse sich auffe Socken gemacht. Kurz drauf war se am Stadtrand, von da aus war et noch 'ne halbe Stunde durchen Wald. Plötzlich steht mitten auffen Weg ein alten, grauen, ausgemergelten Wolf. Bis dato hatte Rotkäppsken noch keine Erfahrungen mit Wölfe, also auch keine schlechten. Und deswegen hatte se auch kein Schiss.
"Tach Rotkäppsken" meinte der Wolf, und getz werden einige von euch komisch kucken. "Seit wann können Wölfe reden?" fracht ihr euch. Also in dem Punkt verlasst euch mal ganz auf mich. Damals inne schlechte Zeit war dat eben so. Viele Wölfe gabet eh nich mehr, und diejenigen, die et noch gab, mussten sich wat einfallen lassen, um über die Runden zukommen. Also ham se sich gedacht: "Lernze sprechen, dann laufen die Geschäfte besser:" Ja, hört auf zu grinsen, dat war eben so. Fragt doch euern eigenen Oppa. Am besten glaubt ihr dat getz mal einfach, weil ohne sprechenden Wolf macht die Storry auch wenich Sinn.
"Tach Wolf."
"Wo sollet den hingehen, Rotkäppsken? Willze Picknick machen?"
"Nä, ich muss zu de Omma. Die is nich so ganz fit. Ich hab hier lecker Sachen für ihr mit, damittse wieder auffen Damm kommt."
"Ach, is ja interessant. Wo wohnt deine Omma denn?"
"Is noch so 'ne viertel Stunde durchen Wald. Unter die drei großen Eichen steht ihr Häusken."
Der Wolf kam am Überlegen: "Die Kurze sieht ja lecker aus, aba dat is ja nur wat fürn hohlen Zahn. Irgenzwie musset doch hinzukriegen sein, dat ich mir die Olle noch als Sättigungsbeilage dazu sicher.
"Rotkäppsken, wat meinze, wat sich deine Omma freut, wennze ihr noch 'n paar Blümkes mitbrings. Hier stehen doch genuch rum. Pflück sie doch 'n paar! "
"Für ein Wolf bis du garnich so doof!" meinte Rotkäpsken und machte sich direkt am Blumenpflücken.
Der Wolf war schon auffen Weg zur Omma ihr Haus und fing anne Tür am kloppen.
"Wer is denn da?" frachte die Omma von innen. "Ich binnet - Rotkäppsken. Hat Mama nich angerufen?"
"Komm rein, Süsse, die Tür is offen. Ich kipp immer ausse Latschen, sobald ich inne Senkrechte komme. Hasse die Piccolos mitgebracht?"
Dat hat sich der Wolf nich zweimal sagen lassen. Mit zwei Sprünge war er bei der Omma an ihren Bett und kurz drauf hatter se verschluckt, ohne groß zu kauen. Tja, der Hunger treibtet rein. Dann hatter er sich dat Nachthemd und die Haube vonner Omma angezogen und kurz drauf lag er in ihrem Bett und hatte die Decke bis anne Nase.
Rotkäppsken hatte inzwischen so viele Blumen gesammelt, dattse aussah wie eine lebende Fleurop-Reklame. Da fiel ihr die Omma wieder ein, da hattse sich wieder auffen Weg gemacht.
Dat die Omma ihre Haustür sperrangelweit offenstand hatte se noch kaum gewundert, aba als se inner Stube stand, krichtese auf einmal ein dermaßen komischet Gefühl inne Magengegend, dattse gedacht hat: "Irgendwat is anders als sonz." Also isse erstmal zum Bett gegangen. Da lag zwar die Omma und hatte die Haube tief im Gesicht, aba irgendwie hatte se schommal besser ausgesehen.
"Boar Omma, wat has du denn für große Ohren?"
"Dat is, damit ich dich besser hören kann."
"Mensch Omma, und erstmal deine Augen!"
"Dat is, damit ich dich besser sehen kann!"
"Und deine Hände hattich aba auch kleiner in Erinnerung."
"Dat is, damit ich dich besser packen kann!"
"Ker Omma, und dein Mund! Dat seh ich ja getz erst!"
"Dat is, damit ich dich besser Fressen kann"
Tja, wat soll ich sagen - gesacht getan. Schwupps, war auch dat Rotkäppsken weg vonne Bildfläche. "Gesund und satt – wie schön is dat!“ hat sich der Wolf gedacht. Dann hatter sich inne Omma ihre Pofe gehauen und erstmal ’n Nickerchen gemacht.
Wie er so lautstark am Ratzen wahr kam der Oberföster anne Omma ihren Haus vorbei. Der meinte so bei sich: „Ker, wat is die Olle komisch am Schnarchen! Da willze mal lieber kucken, ob da alles Rodscher is. Ich hab da so ein Verdacht." Wie er im Bett den Wolf liegen sah, fing er fast am Frohlocken. Den hatter nämlich schon länger aufen Kieker gehabt. Er war schon seine Flinte am anlegen, wie ihm einfiel, dat der alte Graurock - so hamwe früher für Wölfe gesacht - wohmöchlich die Omma noch in seinen Balch haben könnte. Also hatter sich Ommas große Küchenschere geholt und den Wolf seine Plauze aufgeschnitten. Der war am pennen wie Horsti vonne Union-Brauerei, wenner sich sein Wochendeputat tiefgetan hat, und hat von die Aktion garnix mitgekricht.
Als erstes hat dat Rotkäppsken wieder dat Licht der Welt erblickt. "Dat war aba allerhöchste Eisenbahn! Der alte Sack fing mich schon am verdauen! Und ein Mief da drinne – wie im Puma-Käfig!“ Als Nächstes kam die die Omma anne Reihe. Die wollte den Oberförster erstmal ummen Hals fallen. Der war aba voll Herr der Lage und hat gemeint: "So, den verarschen wir getz erstmal. Rotkäppsken, du holz mal ’n paar Briketts aussem Keller und die Omma bringt mal dat Nähzeuchs.“
Briketts holen und in den Wolf sein Bauch einnähen war schnell erledicht. Dann haben sich die drei hinter der Tür versteckt, weil der alte Schliekefänger war schon wieder am Wachwerden. "Irgenzwie is mir kodderich. Dat muss an die Olle mit ihre Teerlunge liegen.“, dachter so bei sich. "Getz gehsse erstmal annen Brunnen und trinks ’n Schluck Wasser. Und als er sich so über den Rand von den Brunnen gebeucht hat, kamen von hinten Rotkäppsken, die Omma und der Oberförster und haben ihn die Beine wechgezogen, so datter vornerübber innnen Schacht fiel. Schädelbasis, Oberschenkelhals, doppelte Wirbelsäulen-Fraktur und dann auch noch ertrunken. Da machse nix.
Rotkäppsken, die Omma und der Förster lagen sich inne Arme, wie die schwatzgelbe Borussia nachen Gewinn vonne Champions-Liga.
Und wennse nich gestorben sind, dann sindse noch nich tot.