Bekommt man in der "Szene" eigentlich noch ein Bein an die Erde, wenn man das neue Portishead-Album Scheiße findet? Die Rezensenten überschlagen sich in ihren Lobhudeleien, und das Feuilleton bekommt ein feuchtes Höschen, wenn es über das Comback der Avantgarde-Pop-Band aus Bristol schreibt.
Zehn Jahre hat
Portishead für "
Third" gebraucht. Das ist im Showbiz eine verdammt lange Zeit. Meiner Tochter (15, Linkin Park, Billy Talent - nichts gegen einzuwenden) beispielsweise sagt der Name
Portishead überhaupt nichts. Aber wie ist es denn nun, das neue Album?
Zunächst einmal ist es unverkennbar
Portishead. Athmosphärisch dicht, ungewöhnliche Arrangements, der typische Gesang von
Beth Gibbons. Soundtechnische Experimente, bei denen man sich fragt: "Ist das gewollt, schlampig produziert, oder gibt meine Endstufe jetzt den Geist auf?" sind vorhanden, wenn auch sparsam dosiert.
Aber es gibt auch neue Aspekte.
Beth Gibbons nimmt sich gesanglich zurück. Man kann sagen, dass sie unter ihren Möglichkeiten bleibt, oder es wohlwollender formulieren: Sie setzt ihre Fähigkeiten sehr behutsam ein. Die Musik ist insgesamt beatlastiger als früher, obwohl es auch Ausflüge in die akustische Instrumentierung und zum Prog-Rock gibt, die mehr als ironische Brechungen sind.
Auf meinem MP3-Player liegt "Third" zwischen
Panzerballett ("
Starke Stücke") und
Rummelsnuff ("
Halt durch"). In dieser Umgebung ist es gut aufgehoben.
Aber der wichtigste - natürlich subjektive - Eindruck ist: War der Entertainment-Gedanke auf den früheren, von des Lebens bleierner Schwere inspirierten Alben der Band eher verpönt, macht das neue Ding richtig Spaß! Und dafür gibt es von mir vier von fünf möglichen Punkten.
pikas - 21. Mai. 2008 - abgelegt in:
feuilleton