Vor einiger Zeit berichtete ich in
diesem Artikel über die geplante Einführung von Schulkleidung an der Schule, die zwei meiner Kinder besuchen. Das war mir trotz anfänglicher Vorbehalte persönlich herzlich egal, weil man in Nordrhein-Westfalen die Schüler nicht in die Schulkleidung zwingen kann. Das Schulgesetz bietet zwar den Schulen die Möglichkeit, Schulkleidung einzuführen, verbietet aber gleichzeitig, das Tragen derselben zur Pflicht zu erklären. Klingt blöd, scheint inkonsequent, ist aber so. Meine Kinder sind im Geiste der freiheitlich-demokratischen Grundordnung erzogen, und mögen nicht verkleidet zur Schule laufen. Wenn andere Eltern und deren Kinder diesen Firlefanz mitmachen wollen, dürfen sie das von mir aus tun. Bin ja tolerant. So weit, so gut.
Inzwischen hat man an besagter Schule ein paar Monate lang Erfahrungen mit der Angelegenheit gesammelt, und diese kürzlich auf einer Klassenpflegschaftssitzung (früher sagte man "Elternabend") der versammelten Elternschaft vorgestellt.
Der Verkauf im schuleigenen Schulkleidungsshop (jeweils Freitags zwischen 9.00 und 12.00 Uhr und an besonderen Tagen geöffnet) sei gut angelaufen. Jedoch ließe sich speziell in den höheren Klassen nach anfänglicher Begeisterung eine gewisse Schulkleidungsmüdigkeit feststellen. Selbst Kinder, die von ihren Eltern mit der doch recht adretten Webware ausgestattet worden wären, kämen immer öfter in ordinärer Straßenbekleidung in den Unterricht. In manchen Klassen wären die Lehrer die einzigen, die mit gutem Beispiel vorangehen würden. Deshalb wurde beschlossen, den Montag zum Schulkleidungstag zu zu erklären. Selbstverständlich kann aber auch an anderen Tagen Schulkleidung getragen werden, und selbstverständlich wäre das Tragen von Schulkleidung nach wie vor auch Montags keine Pflicht, weil das Schulgesetzt ja leider keine Verpflichtungsmöglichkeiten hergäbe. Also alles wie gehabt? Mitnichten! Den es werde darüber nachgedacht, eifrigen Schulkleidungsträgern einen Teil der Hausaufgaben zu erlassen.
Überflüssig zu erwähnen, dass ich mal wieder der einzige war, der angesichts dieser Aussichten NICHT begeistert war. Ein Vater berichtete von seiner Tochter, die zu Besuch in England war, und sich angeblich wohlwollend über die britischen Gepflogenheiten im Hinblick auf Schulbekleidung geäußert hätte: "Die waren richtig stolz auf ihre Uniformen."
Mein Hinweis, dass man den Briten ja nicht alle blöden Ideen nachmachen müsse - wir hätten ja auch schließlich nicht mitgeholfen, den Irak zu überfallen - wurde augenrollend ignoriert.
Dreimal dürfen sie raten, wer im Büro des Schulleiters aufläuft, wenn an dieser Schule tatsächlich Hausausfgaben zu Marketingzwecken mißbraucht werden.
pikas - 21. Aug. 2007 - abgelegt in:
politics