Der New Yorker Jazz-Pianist Omer Klein verbindet mit seinen beiden Mitmusikanten an Bass und Schlagzeug zeitgenössischen Jazz mit traditioneller jüdischer Musik.
Ich besuche mit meinem Sohn die Gräber unserer Ahnen. Wir haben eine Liste, auf der wir jedes einzelne Grab abhaken. Da unsere Familie weit verstreut gelebt hat, reisen wir mit dem Auto, und bleiben an jedem Grab ein paar Sekunden stehen. Das Ganze läuft wortlos ab. Auf dem Stein des letzten Grabes steht der Name meines Sohnes. Ich schaue mich verwundert um, aber er ist nicht mehr bei mir. Habe nicht gemerkt, dass er gestorben ist. Ich schreie und werde wach.
Ich jogge meine 10km-Runde. Das Wäldchen an der Josefstraße, das ich normalerweise immer rechts liegen lasse, sieht heute anders aus als sonst. Es führt ein Weg hinein, den ich vorher noch nie bemerkt habe. Rechts und links neben dem Weg sind riesige, blinkende Neon-Pfeile, die in den Wald hinein zeigen. Das Ganze wirkt wie eine Szene aus einem Tom-und-Jerry-Cartoon. Ich lasse mich locken und laufe in den Wald. Der Weg wird immer schmaler und dunkler. Die Baumestämme scheinen immer enger zusammen zu rücken. Ich höre unheimliche Geräusche und in mir wächst Panik. Ich komme aber nicht auf die Idee, umzukehren. Ich laufe immer weiter. Stundenlang? Tagelang? Ich weiß es nicht. Zeit verliert an Bedeutung. Manchmal meine ich, im Dickicht ein Augenpaar aufblitzen zu sehen. Ansonsten: Dschungelgemurmel und leises Flüstern und Grummeln. Irgendwann sehe ich am Horizont Licht durch die Baumstämme scheinen. Ich laufe schneller, erkenne einen sonnigen Strand mit Palmen und weißem Sand. Ich höre Steeldrum-Musik. Je schneller ich laufe, desto langsamer komme ich voran. Es ist, als würde mich ein um meine Brust gespanntes Gummiband zurück halten. Ich schaue an mir herunter, aber da ist kein Band. Plötzlich werde ich gewahr, dass das unsichtbare Band ein immer stärker werdender Schmerz in meiner Brust ist. Da umfängt mich Dunkelheit. Ich falle, noch bevor ich den Waldrand erreicht habe. Ich werde wach.